Bikepacking: Zwischen Weinviertel und Waldviertel

Bikepacking: Zwischen Weinviertel und Waldviertel

Zwei Tage, 196 Kilometer und die unendliche Ruhe des Nordens.

Manchmal muss man gar nicht weit weg, um das Gefühl zu bekommen, die Welt hinter sich zu lassen. Mein jüngster Trip führte mich mit dem Gravelbike in das nördliche Grenzgebiet Österreichs – eine Gegend, in der die Zeit ein wenig langsamer zu ticken scheint und die Natur im April förmlich explodiert.

Tag 1: Von den Weinreben in die Einsamkeit

Retz – Hranice | 111 km

Die Reise beginnt entspannt mit der Bahnfahrt von Wien nach Retz. Kaum aus dem Zug gestiegen, empfängt mich ein sonniger, warmer Apriltag. Der erste Anstieg führt sanft durch die Natur, weg vom Trubel. Was sofort auffällt: Es ist still. Keine Motorengeräusche, nur das konstante Zwitschern der Vögel, die den Frühling feiern.

Die Landschaft öffnet sich weit. Auf den Feldern herrscht reges Treiben – allerdings nicht von Menschen, sondern von Rehen, Fasanen und Hasen, die sich in der milden Sonne tummeln. Die Route ist ein Wechselspiel aus feinem Schotter und einsamen Asphaltstraßen.

Pro-Tipp für Nachfahrer: Packt genug Wasser ein! In den kleinen, verschlafenen Ortschaften entlang der Grenze sind offene Geschäfte oder Brunnen Mangelware. Hier ist man weitgehend auf Selbstversorgung angewiesen.

Die Begegnungen, die man hat, sind dafür umso herzlicher. Bauern, die gerade die Kartoffeln setzen, halten kurz inne und grüßen freundlich; sogar die wenigen Autofahrer heben die Hand. Am späten Nachmittag entscheide ich mich spontan für eine Unterkunft im tschechischen Hranice. Mitten in der Natur gelegen, endet der Tag perfekt: mit einem weiten Blick auf den Sonnenuntergang und einem wohlverdienten tschechischen Bier.

Tag 2: Entlang des Eisernen Vorhangs zurück zur Donau

Hranice – Krems | 85 km

Nach einem ausgiebigen Frühstück startet der zweite Tag auf geschichtsträchtigem Boden: dem Iron Curtain Trail. Ich bin mutterseelenallein auf verlassenen Waldstraßen unterwegs. Ab und zu kreuzt ein Reh meinen Weg, ansonsten gehört der Wald mir. Diese absolute Isolation ist herrlich, führt aber auch dazu, dass die Rückkehr in die "Zivilisation" in Gmünd fast wie ein kleiner Kulturschock wirkt.

Doch die Ruhe kehrt schnell zurück. Die Strecke zwischen Gmünd und Zwettl ist wieder wunderbar menschenleer. Ich lasse die Kurbel drehen, während Felder und dichte Wälder an mir vorbeiziehen. Nach einem kurzen Stopp in Zwettl wartet das nächste Highlight: der Ottensteiner Stausee.

Die hügelige Landschaft des südlichen Waldviertels fordert noch einmal die Waden, doch ab Gföhl folgt die Belohnung. Es geht fast nur noch bergab – ein rasantes Finale, das sich nach den vielen Höhenmetern absolut verdient anfühlt.

In Krems angekommen, lasse ich die Tour am Donauufer ausklingen. Die Beine sind schwer, der Kopf ist frei. Mit dem Zug geht es zurück nach Wien, während die Bilder der einsamen Grenzstraßen noch lange nachwirken.

Mein Fazit

Wer die Einsamkeit sucht und kein Problem damit hat, kilometerlang nur sich selbst und die Natur zu hören, wird diese Route lieben. Es ist eine Tour der Kontraste – zwischen sanften Weinbergen und raueren Waldviertler Hügeln.

Distanz gesamt: 196 km

Highlight: Die Stille auf dem Iron Curtain Trail.

Vibe: Puristisch, weitläufig, entschleunigend.